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Das gefräßige Auge
Die fotografische Welt von Vera Mercer
09.10.2026 – 28.02.2027
Vera Mercer (*1936 in Berlin), eine der Grandes Dames der Fotografie, blickt auf ein umfangreiches Lebenswerk zurück, in dem Lebensmittel, Restaurants und Märkte die Hauptrollen spielen. Nach einer Ausbildung zur Tänzerin heiratet sie 1958 den späteren Eat Art Künstler Daniel Spoerri und übersiedelt mit ihm nach Paris. Hier taucht sie in die künstlerische Avantgarde ein, fotografiert Künstler:innen wie Marcel Duchamps und Niki de St.-Phalle und erstmals Nahrungsmittel in den berühmten Markthallen Les Halles.
In den 2000ern beginnt sie, Stillleben regelrecht zu komponieren. Sie übernimmt Motive der altmeisterlichen Malerei, um damit ganz neue, aber deutlich zeitgenössische, Bilder zu entwickeln. Für diese Fotografien hat sie internationale Bekanntheit erlangt.
Eine zentrale Rolle nimmt die Licht- und Schattenführung ein, um die Dinge effektvoll, oft geheimnisvoll, in Szene zu setzen. Viele Fotos zeigen eine opulente Fülle an Blumen, Gemüse, Früchten – und Tieren. Immer wieder begegnen uns ganze Fische, Krabben, Tierköpfe und ungerupftes Federvieh. Damit zieht in die Bilder der Schatten des Todes ein. Andere Bilder wirken ganz ruhig, fast meditativ.
Daneben schießt die Fotografin ab den 1960er Jahren auch immer wieder Fotos von Menschen im Café. Da begegnen uns ungeschönt (weil heimlich fotografiert) träumende, gelangweilte und engagiert essende Unbekannte, die schmunzeln lassen, und die die Atmosphäre ihrer Zeit in sich tragen.
Vera Mercer betreibt zusammen mit ihrem zweiten Ehemann selbst mehrere Restaurants, so etwa den 2009 eröffneten „Boiler Room“ in Omaha/ USA. Die Künstlerin stattet ihn mit ihren Fotos aus, und hier entstehen neue Bilder. Essen – Schauen – Fotografieren – Essen ist in ihrem Leben eine ineinandergreifende Handlungskette.
Ab 2010 entwickelt Mercer eine neue Bildergruppe: Porträts gepaart mit Stillleben. Die Dinge werden zu Accessoires und Charakteristika der Fotografierten. Die Wirkung ist einerseits malerisch, andererseits verblüffend präsent.
Die Ausstellung zeigt aus allen genannten Werkgruppen eine Auswahl besonders eindrücklicher Beispiele.
Ein kreatives und kulinarisches Begleitprogramm bereichert die Ausstellungserfahrung.
